
KUNST UND KULTUR
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Tatsache ist:
Stierkämpfe finden nur in neun Ländern auf der ganzen Welt statt. Eine
beträchtliche Anzahl von Ländern haben den Stierkampf durch Gesetz
verboten, beispielsweise Argentinien, Kanada, Cuba, Dänemark,
Deutschland, Italien, die Niederlande, Neu Seeland und das Vereinigte
Königreich. Innerhalb von Stierkampfländern haben sogar einige
Regionen Stierkämpfe verbannt; z. Bsp. Kanarische Inseln in Spanien
und der größte Teil von Frankreich. |
Auch eine beträchtliche Anzahl von
Politikern aller politischer Richtungen haben sich gegen den Stierkampf
gewandt: Hélène Flautre (Grüne), Françoise Grossetête (Konservative),
Bernard Lehideux (Liberale), Michel Rocard (Sozialist und früherer
Premierminister), François Léotard (früherer Bürgermeister von Fréjus und
früherer Stierkampfanhänger) und Alain Lipietz (Ökonom und Politiker).
Selbst wenn Sie glauben, dass der Stierkampf Tradition oder Kultur ist, kann dieses niemals Tierquälerei rechtfertigen: Quälerei bleibt Quälerei, egal wo sie in der Welt stattfindet. Tierquälerei hat keinen Platz in der modernen Gesellschaft.
"Viele Kampfstiere werden in Landschaftsschutzgebieten, so genannte dehesas, aufgezogen. Diese dehesas sind die Heimat für zahlreiche geschützte Arten wie den Luchs und den Kaiseradler und werden als Gebiete außerordentlicher Schönheit bewahrt. Die Stierkampfindustrie behauptet, dass diese Gebiete und die geschützten Arten bedroht sind, wenn der Stierkampf abgeschafft wird, weil ihr Geschäft einen wertvollen und unersetzbaren Beitrag zum Schutz der dehesas leistet.“
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Tatsache ist: Die Aufzucht
von Kampfstieren ist nicht der einzige Zweck und Funktion der dehesas.
Viele andere Arten würden von ihrem Weiterbestand profitieren und das
Ökosystem aufrechterhalten, das sich dort gebildet hat. Die Kampfstiere, die in diesen Gebieten aufgezogen werden, spielen keine entscheidene Rolle bei der Funktion dieser Ökosysteme: Sie sind dort weder Raubtiere noch Opfer. Lokale Behörden haben niemals die Entfernung der Stiere als Bedrohung der geschützten Arten angesehen. Deshalb werden die fehlenden Kampfstiere in diesen Gebieten keine Schäden des Ökosystems verursachen. Die Eigentümer der dehesas können ihr Land auf verschiedene anderer Weise nutzen, ob sie Stiere weiter halten wollen oder nicht. |
Es ist Sache der Behörden, dafür zu sorgen, dass dieses Land und die dort lebenden Tiere beschützt werden. Für diese speziellen Zwecke gibt es bereits Gesetze: 73 Gesetze und Verordnungen für den Schutz des Kaiseradlers und 50 für den Schutz des Luchs1. Weiterhin, die Foro Encinal, eine Vereinigung von zwanzig Organisationen, deren Rolle es ist, die dehesas zu schützen, hat niemals die Aufzucht von Stieren für das ökologische Gleichgewicht der dehesas als notwendig erachtet2.
1. Nationaler Katalog der gefährdeten Arten; Gesetz Nr. 493/1990; Información oficial del Ministerio de Medio Ambiente, España
2. Bericht von Anna Mulà, Rechtsanwalt, Stop Our Shame (SOS)
Die Stierkampfindustrie behauptet:
"Der Stierkampf schafft 3.700.000 Arbeitsstunden 1, 378 ständige Vollzeitarbeitsplätze, 2.950 saisonale Arbeitsplätze und ist ein lebenswichtiger Teil der spanischen Touristikindustrie und ein wichtiges Spektakel für die spanische Bevölkerung.“
Tatsache ist:
Die Stierkampfindustrie und deren Anhänger behaupten oft, dass der Stierkampf wichtig für die Wirtschaft Spaniens und seine Regionen ist. Jedoch zeigen aktuellen Daten, die von der Stierkampfindustrie stammen, ein anderes Bild. Weniger als 400 Menschen werden von ihnen über das ganze Jahr Vollzeit beschäftigt.
Die Stierkampfindustrie wirft viel Geld ab, doch die Gewinne werden nur an sehr wenige Leute, die zur Stierkampfelite gehören, ausgeschüttet. Weil diese reichen Personen im Wissen, dass ihr Geschäft abnimmt, nicht ihre eigenen Gewinne beschneiden wollen, fordern sie anstatt dessen öffentliche Gelder, um einen großen Teil ihrer Ausgaben zu decken. In Spanien wird der Stierkampf sehr stark von allen Ebenen der Regierung subventioniert. Es wird geschätzt, dass in Spanien über 530 Millionen € pro Jahr an Steuergeldern an die Stierkampfindustrie fließen2.
Auch viele Nebenzweige der Stierkampfindustrie erhalten Subventionen: Stierkampfschulen, Stierkampffanclubs, Züchter und Metzger, Einkauf von Stieren für Volksfeste, Werbung und Marketing für Stierkämpfe, Zahlungen für öffentliche Fernsehübertragung von Stierkämpfen, Stierkampfmuseen und manches mehr. Alle diese Subventionen fehlen, um schwierige soziale Probleme, wie im Gesundheitswesen, im Erziehungswesen, in der Infrastruktur, der Altersfürsorge, der öffentlichen Sicherheit, dem sozialen Wohnungsbau usw., zu lösen.
Um die Popularität von Stierkämpfen zu beurteilen, ist es wichtig, sich unabhängige Meinungsumfragen anzusehen. Jede durchgeführte Umfrage zeigte, dass eine überwältigende Mehrheit der spanischen und französischen Bevölkerung nicht an Stierkämpfen interessiert ist. 50 Städte in Spanien und Frankreich haben sich gegen den Stierkampf erklärt. Das zeigt die wachsende Unbeliebtheit von Stierkämpfen und dass die Stierkampfanhänger sich in der Minderheit befinden und jedes Jahr weniger Unterstützung finden. 3
Die Stierkampfindustrie führt oft an, dass Stierkämpfe den lokalen Städten und Regionen ein erhebliches Einkommen bescheren. Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass die Touristen Spanien mit oder ohne Stierkämpfe besuchen würden: Touristen gehen nicht nach Spanien, um sich nur Stierkämpfe anzusehen. Im Gegenteil, im Zeichen des „ethischen Reisens“ werden immer mehr Touristen Spanien, Portugal und Südfrankreich nicht mehr besuchen, wenn Stierkämpfe weiterhin stattfinden.
Wenn überhaupt, sehen sich Touristen Stierkämpfe an und kommen nie wieder. Dieses Phänomen spricht nicht für die Behauptung der Stierkampfindustrie, dass Stierkämpfe sehr populär sind.
Die Stierkampfindustrie führt öfters die Anzahl der verkauften Plätze als Indikator für die Popularität ihrer Aktivitäten an. Sie verdrängen dabei die Tatsache, dass viele dieser verkauften Plätze von denselben Leuten mehrmals benutzt werden, entweder von Leuten mit Saisonkarten (die meisten der verkauften Karten) oder von aficionados, die von Stadt zu Stadt reisen, um Stierkämpfe zu besuchen. Die Industrie verschweigt selbst nicht mehr, dass sie wirklich eine „Besucherkrise“ hat.
Die EU subventioniert die Aufzucht von Kampfstieren in freier Haltung. Die Stierzüchter erhalten 220 € pro Stier zusätzlich zu den nationalen Beihilfen. (Debt in the Afternoon, The Guardian, 12. Mai 2008)
1* El mundo del toro defenderá la Fiesta en el Parlamento Europeo’,
ABC, 22. Februar 2008
2* Stop Our Shame, Spain (www.stopourshame.com)
3* Eine Gallup-Umfrage von 2006 zeigte, dass etwas über 7% der Spanier zwischen 15 und 24 Jahren überhaupt nicht an Stierkämpfen interessiert sind.
Die Stierkampfindustrie behauptet:
’Nobel und tapfer wächst der Stier im Kampf und zeigt in der Arena seine Tapferkeit. Den Kampfstier gibt es, weil es die Fiesta gibt. Wenn der Stierkampf verboten wird, wird in Spanien, Frankreich, Portugal und Lateinamerika ein kulturelles Erbe mit einer langen Tradition unumkehrbar verschandelt.’
Tatsache ist:
Die menschliche Gesellschaft und Kultur ändert sich mit der Zeit. Soziale und kulturelle Gewohnheiten, früher einmal als akzeptabel angesehen, haben keinen Platz mehr in der modernen europäischen Gesellschaft. Wenn das Wohlergehen von Menschen oder Tieren gefährdet wird, ist eine Tradition nicht mehr wichtig, wenn beurteilt wird, ob sie verboten werden soll oder nicht.
Unser Wissen über das psychologische und physische Wohlergehen von Tieren ist während der letzten 100 Jahre wesentlich erweitert worden. Die Art und Weise, wie Stiere bei Stierkämpfen behandelt werden, ist nicht mit den Werten des Tierschutzes, die in allen modernen Gesellschaften gelten, vereinbar. Wir wissen jetzt, dass Stiere – wie andere Säugetiere – sensible Lebewesen sind, die fähig sind, Schmerz und Leiden zu empfinden. Die Behauptung, dass Stiere in Kämpfen wachsen und angeblich mögen, gefoltert und getötet zu werden, verspricht jeglicher Vernunft.
Alle Statistiken zeigen den klaren Trend, dass die Ablehnung des Stierkampfs in allen Ländern Europas, wo Stierkämpfe stattfinden, zunimmt. Besonders die jüngeren Generationen zeigen sehr wenig Interesse an dieser grausamen Beschäftigung. Die Tatsachen, dass wir neuen Generationen - unseren Kindern – lehren, Umwelt und Tiere zu achten, bedeutet folglich, dass sich die Beziehungen zwischen Menschen und Tieren ändern. Mensch und Stier können friedlich zusammenleben. Stiere könnten in besonderen Naturreservaten leben, die extra dafür eingerichtet werden, um eine besondere Rasse zu erhalten.
Die Europäische Union (EU) hat bereits verschiedene Maßnahmen für das Wohlergehen der Tiere in die Wege geleitet und sich dafür engagiert, indem sie mehrere Verbesserungen für die Behandlung von Nutz- und Wildtieren eingeführt hat.

TATSACHEN & ZAHLEN
FRANKREICH
Eine Befragung im Jahre 2003 zeigte, dass 73% der französischen Bevölkerung
gegen den Stierkampf ist. (TNS Sofres, im Auftrag der Franz Weber Foundation)
Stierkämpfe finden nur auf 10% des französischen Territoriums statt. Trotz der Tatsache, dass das Strafgesetz deutlich Stierkämpfe als „grausame Handlungen und schwere Misshandlung an Tieren“ (Artikel 521 -1) ansieht, sind Stierkämpfe in diesem kleinem Gebiet als „ununterbrochene lokale Tradition“ 1 erlaubt.
Die französische Stierkampfindustrie wird durch öffentliche
Gelder am Leben erhalten. Sie erhält Geld von Städten und/oder Departements,
Regionen, dem Staat oder Europa.
Diese Abhängigkeit von öffentlichen Geldern führte bei der Stadt Arles zu einer
Verschuldung von 300.000 € und für Bayonne von 247.250 €.2
In Frankreich gibt es vier Stierkampfschulen.
PORTUGAL
Februar und März 2007, Metris GfK Umfrage auf nationaler Ebene in Portugal: „Meinen Sie, dass der Stierkampf in Portugal durch eine Gesetz verboten werden soll?“
· 50.5% der Befragten sagten „Ja“
· 39,5% sagten „Nein“
“Möchten Sie, dass der Stadtrat Ihre Stadt als Ort erklärt, wo Stierkämpfe nicht erlaubt sind?“
· 52,4% der Befragten sagten „Ja“
· 36,8% sagten „Nein“
Trotz der öffentlichen Meinung außerhalb Portugals werden Stiere bei portugiesischen Stierkämpfen ständig mit zahlreichen banderillas verletzt und oft sogar getötet (bei einigen Stierkämpfen in voller Öffentlichkeit und bei allen anderen unter öffentlichen Ausschluss nach der Show).
SPANIEN
Im Jahre 2006 hat eine Gallup Meinungsumfrage in Spanien ergeben, dass 72,10 % der Spanier überhaupt nicht am Stierkampf und nur 7,40 % sehr daran interessiert sind; in Katalonien zeigten sogar 80 % kein Interesse.
Stierkampfaktivitäten werden in Spanien von allen Ebenen der nationalen Regierung sehr stark unterstützt. Es wird geschätzt, das über 550 Millionen € von Steuergeldern an die Stierkampfindustrie ausgeschüttet werden 3.
Im Jahre 2006 wurde die offizielle Anzahl der getöteten Stiere in offiziellen Stierkämpfen und ständigen festen Stierkampfarenen in Spanien mit 11.458 angegeben 4. Wenn jedoch die vielen Stierkämpfe in mobilen Arenen und die Stiere, die während des Trainings und anderen Stierkampfaktivitäten getötet werden, einbezogen werden, wird die Zahl der von der Stierkampfindustrie getöteten Stiere in Europa jedes Jahr auf 40.000 Stiere geschätzt, und 250.000 in der ganzen Welt.
Stierkampf ist in einigen Regionen Spaniens illegal,
einschließlich der kanarischen Inseln. In anderen Regionen ist er im steilen
Absturz, mit zwei aktiven Arenen in Galizien und Asturien und nur einer aktiven
in Katalonien.
Es gibt in Spanien mindestens 42 Stierkampfschulen, in denen Kindern das Quälen
und Töten von Stieren gelehrt wird.
Stierkampfgesetze in Spanien verbieten Kindern unter 16 Jahren bei öffentlichen Veranstaltungen Stiere zu töten, deshalb werden sie oft nach Mexiko geschickt, wo es kein Alterslimit gibt.
Der spanische Sender RTVE beschloss, ab August 2007 keine Stierkämpfe mehr öffentlich zu übertragen.
EUROPA
Die EU subventioniert die Aufzucht von Kampfstieren in freier Haltung. 2003 sagten in einer Umfrage in verschiedenen Ländern Europas 93% der Deutschen, 81% der Belgier und 82% der Schweizer, dass sie gegen den Stierkampf sind. (TNS Sofres, im Auftrage der Franz Weber Foundation)
89 % der britischen Bevölkerung möchte keine Stierkämpfe während der Ferien besuchen. 76 % sagten, dass es nicht gut ist, wenn die Touristikindustrie wie auch immer für Stierkämpfe werben. (ComRes Umfrage April 2007 im Auftrag von League Against Cruel Sports)
*1 La Provence, 29. März 2008
*2 Zahlen von Stadtrat Bayonne, Bulletin Nr.44 (25. Oktober 2007)
*3 Stop Our Shame, Spain (www.stopourshame.com)
*4 Spanisches Innenministerium
Hören Sie sich die Reden an, die bei dem Seminaren am 4. Juni 2008 im Europa-Parlament in Brüssel gehalten wurden, in denen Experten über diese Themen gesprochen haben. Klicken Sie auf die folgenden mp3-Dateien:
Seminar1 Seminar2 Seminar3 Seminar4
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